Unsere aktuelle Truppe
Von links oben:
Michael Schramm, Jörg schimmel,
Robert Streicher,
Christopher Pattison, Markus Schmitt, Reinhold Huck, Martin Jüngling
Von links unten:
Nikolai König, Graf Kuno : Frieder Quaitsch, dessen Baldrian : Wolfgang Sepp, Tobias Molter, Michael Riffel
Nicht auf dem Bild:
Michael Mangelsdorff, Matthias Klotz, Alexander Schultheisz, Frank Böffert
Fastnacht und Karneval sind von vielen Elementen geprägt. Während die meist männlichen "Funken" und Tanzkorps den Kölnischen Karneval beherrschen, beleben die Weiblichen Tanzgarden in unserem badisch-pfälzischen Raum das närrische Geschehen und sind nicht mehr wegdenkbarer Bestandteil fastnächtlichen Brauchtums. Bei einigen Karnevalsgesellschaften bestehen auch männlich Korporationen, die als Stadtgarden, Ranzengarden und Bürgerwehren ihren Teil zum gelingen der Fastnacht beitragen. Ihre Auftritte in der Öffentlichkeit sind ursprünglich als satirisch-komische Parodien gegen alles Militärische und jede Uniform gedacht und sind die närrische Verkörperung der früheren Stadtsoldaten. Heute ist dieser Brauch nur noch in den Uniformen augenfällig erkennbar. Obwohl in Bruchsal schon im 17. Jahrhundert eine Stadtwache zum Schutz der Bürger aufgestellt war und während der Revolutionsjahre 1848/49 eine bedeutende Zahl wehrfähiger Männer in den Bruchsaler Bürgerwehreinheiten unter den Waffen standen, sahen die Bruchsaler Narren lange Zeit kein Bedürfnis, die Straßenfastnacht durch die Attribute wehrhafter Vergangenheit zu vermehren. Kurzum, es gab in unserer Stadt keine militärischen Einheiten, die als Vorbild für die Aufstellung einer die Bruchsaler Fastnacht bereichernden Bürgergarde oder einer ähnlichen Formation hätte dienen können. Es war wiederum der Gesangsverein "Cäcilia", der den Anstoß dazu gab, eine Formation aufzustellen, die in Uniform der friderizianischen Armee, als "Landmiliz von Blasewitz", wenn auch nur sporadisch, an Festzügen durch die Stadt teilnahm. Die Erinnerungen alter "Cäcilianer" an diese Gruppe animierte jugendliche Sänger des Vereines, im Jahre 1965 wieder eine ähnliche Truppe aufzustellen, und sie Gründeten die "Brusler Landmiliz". Noch im selben Jahr baute der "Kanonier" Alois Tischler die erste Kanone, aus der laut krachende Böllerschüsse während des Fastnachtumzuges abgefeuert wurden. Dieses wackere Fähnlein machte im Jahre 1971 auch für die Durchsetzung politischer Ziele stark. Unter Führung ihres damaligen Kommandanten Siegbert Veith zogen sie in voller Montur und Bewaffnung vor das Landtagsgebäude in Stuttgart, um dort gegen die Aufhebung des Landkreises Bruchsal und dessen Eingliederung in den Landkreis Karlsruhe heftig zu protestieren und dies gegebenenfalls mit dem Einsatz ihres gesamten "Waffenpotenziales" zu verhindern. Die Belagerung ging aber aus wie das berühmte "Hornberger Schießen", denn die Parlamentarier ließen sich trotz dieser "massiven Bedrohung" von ihrem politischen Ziel nicht abbringen, und die Auflösung des Landkreises war ohnehin schon eine beschlossene Sache. Die Bewaffnung, bestehend aus Gewehren, aus denen kein Schuss abgegeben werden konnte, und der einzigen Kanone, wurde im Jahre 1970 durch den Bau eines "Panzers" verstärkt. Um die Stadtmiliz gegebenenfalls auch auf dem Schienenweg transportieren zu können, baute man eine Dampflokomotive, welche die Berühmte "Adler" zu Vorbild hatte. Hinsichtlich der Uniformierung waren die Soldaten der Landmiliz mehr als bescheiden, was bekanntlich als eine Tugend gewertet wird. Sie trugen über ihren blauen Jeanshosen alte Feuerwehrröcke, und die Stiefel stammten aus alten Bundeswehrbeständen. Den Kopf zierte ein einfacher gelber Hut. Trotz dieser Unzulänglichkeiten ließen sich die Milizsoldaten die Laune niemals verderben und sie waren in all den zurückliegenden Jahren seit der Gründung bei allen fröhlichen Veranstaltungen in unserer Stadt stets willkommene und gern gesehene Teilnehmer und Gäste. Im Jahre1988 wurde die Landmiliz unter dem Kommando von Thomas Friedl neu formiert und als besondere Abteilung in die Große Karnevalsgesellschaft aufgenommen. Somit ist diese Einheit noch fester als bisher in das fastnachtliche Geschehen in unserer Stadt integriert. In diesem Jahr an dem die Große Karnevalsgesellschaft Bruchsal auf ihr 111-jähriges Bestehen zurückblicken darf, kann auch die Stadtmiliz ihr 25-jähriges Jubiläum feiern. Seit ihrer Zugehörigkeit zur GroKaGe haben sich weitere junge Männer bereit gefunden, sich der Landmiliz anzuschließen. Aus diesem Grund wurde die Landmiliz im Jubiläumsjahr 1990 in neue Uniformen nach preußischem Vorbild eingekleidet, um als Leibgarde des Grafen Kuno bei offiziellen Auftritten würdig repräsentieren zu können.
Auszug:
Text von Thomas Friedl für das Jubiläumsbuch "Heiteres Bruchsal" von Werner Greder, anläßlich des 111jährigen Bestehens der Großen Karnevalsgesellschaft Bruchsal im Jahre 1990.


